Nach langer Vorbereitungszeit war es endlich geschafft!
Zum 2. Mal führte uns eine Sängerreise auf Einladung des “Deutsch-Texanischen Sängerbundes", der übrigens dem Deutschen Sängerbund angeschlossen ist, in die USA, nach Texas.
Nach etlichen Gesprächen mit Sängern der Städtischen Werke Nürnberg, die sich bei dieser Reise uns anschließen wollten, fand auch ein Treffen bei den Würzburger Sangesfreunden zum gemeinsamen "Einsingen" statt. Den Würzburger Sangesfreunden sei für die Aufnahme und Berteuung herzlichst gedankt

Mittwoch, 7. Oktober 1998
Am frühen Morgen des 7. Oktober 1998 versammelten sich die Sängerinnen und Sänger des ESWE-Chores vor dem "Hauptquartier" der ESWE in der Wiesbadener Kirchgasse, um von unserem Schirmherren, Herrn Dr. Ing. Gerhard Heunemann, verabschiedet zu werden. Mit den besten Wünschen zum Gelingen und einem Lied verabschiedeten sich dann die schon langsam nervös gewordenen Reisenden.
Mit den Sängern aus Nürnberg war vereinbart worden, dass wir uns auf dem Frankfurter Flughafen treffen.
Dort eingetroffen kam das unvermeidliche über uns: anstellen bei DELTA Airlines! Wer das noch nicht mitgemacht hat weiß nicht, was ihm da entgangen ist! Sicherheit gut und schön! Aber die schei... (pardon!) sich gleich in die Hosen! Alle, die mit DELTA fliegen, sind potentielle Feinde Amerikas! Aber lassen wir das.

Das Flugzeug war endlich da (MD-11) und wir konnten einchecken! Nach Platzverteilung stieg die Spannung: fast pünktlich hob der Flieger ab in Richtung Atlanta/Georgia. 10 Stunden Flug waren angesagt. Einige hatten angespannte Gesichter, andere vergruben ihre blassen Gesichter, um Angst nicht zu zeigen, in Zeitschriften (war doch kurz zuvor eine MD-11 abgetürzt!). Ganz ruhige machten einfach die Augen zu und entgingen so der Aushändigung der obligatorische Erdnüsse (Anleitung auf der Packung: "Packung öffnen, Inhalt innen, Nüsse essen!". Als hätten wir es nicht gewusst. DELTA eben!

In Atlanta angekommen war die Aufregung groß: wo geht’s weiter? "Was?", "Wo?", "Wie?", "Wann?", "Mit was?", das war so oft zu hören, auch der letzte Amerikaner wusste nun, hier kommen die Germanen!
Eile war angesagt, die Anschlussmaschine nach Dallas/Texas wollten wir nicht verpassen. Was sich zuerst als zweckmäßig erwies, war im Nachhinein unnötig. Über Atlanta braute sich ein Unwetter zusammen und zuerst wurden alle in der Luft befindlichen Flugzeuge zu eiligen Landung gebracht. Wir selbst standen deshalb fast zwei Stunden im Terminal herum, bis man uns ins Flugzeug nach Dallas ließ. Damit auch alles gut geht durften wir vor dem Start mit abgestellten Turbinen noch knapp eine Stunde auf dem Vorfeld in einer langen Schlange wartender Maschinen sitzen. Wenigstens gab es beim Einchecken für jeden noch eine Brotzeit mit. Das hat die Wartezeit verkürzt!

Mit fast 3 Stunden Verspätung, dunkel war es auch schon, kamen wir endlich in Dallas an. Müde und mit knarrenden Gliedern wurden wir vom Empfangskomitee begrüßt. Etliche Mitreisende wurden schon gleich von ihren Gastgebern (fast alle wurden privat untergebracht) entführt und konnten so früher ins Bett, um sich auf den nächsten Tag vor zu bereiten.

Donnerstag, 8. Oktober 1998db_TexDallas-0021
Heute stand eine Stadtrundfahrt in Dallas auf dem Programm.
Erster Haltepunkt: die bronzenen Pferde von "Las Colinas". Ein riesiges Areal von Hochhäusern, oder hier "Skycrapers" genannt, umrahmten einen Brunnen ungeahnten Ausmaßes, durch den die "Mustangs von Las Colinas" galoppierten. Grandios gemacht!
Als "Begleiterscheinung" einer solchen Pause spielten sich in munterer Folge aller nächster "Stops" folgendes ab: Zuerst angenommen würde uns das Unwetter von Atlanta eingeholt haben, stellte sich jedoch heraus, dass es nur die "Raucher" in Freien waren und dicke Wolken um sich zogen! Welch ein Glück!
Die nächste Station waren der "Reunion-Tower", ein Aussichts- und Restaurant-Turm beachtlicher Höhe. Von oben hatte man dank herrlichem Wetter eine klare Sicht über Dallas und Umland, alles ein kleines bisschen größer als bei uns in "Old Germany". Weiterhin durften wir uns die Füße in einer beeindruckenden Anlage vertreten, die gespickt war mit bronzenen Longhorn-Rindern, die sich auf dem "Trail" befanden. Stellte man sich zwischen die Skulpturen, überkam einem das Gefühl, man befindet sich mit in Bewegung. Überall, wo man hinkommt, verfolgt einen die amerikanische Geschichte.
Danach folgte ein Besuch des Texanischen Kultur-Museums und die Besichtigung der Stätte des Attentats auf J-F. Kennedy. Es ist Eindrucksvoll, dass Geschichte an einer so unbedeutenden Strasse statt findet! Trotzdem, die Lage der Positionen, von denen aus das Attentat geschehen sein soll, ist und bleibt unglaubwürdig!
Ach ja, unser 1. Vorsitzender, Dieter Schauerer und seine Frau Yola feierten heute ihren Hochzeitstag und somit wurde mitten in Dallas ein Ständchen gesungen!
Der Abend kündigte sich an und wir hatten mit unseren Gastgebern endlich ein paar Stunden zur freien Verfügung. Die waren auch dringend nötig, denn nur sehen und fahren und sehen, das wurde nach dem langen Flug, auch wenn es unsere Gastgeber gut meinten, zur Qual.

Freitag, 9. Oktober 1998
Nach dem Frühstück fanden wir uns im Bus wieder.
Diesmal fuhren wir nach Forth Worth, der früheren "Rinderstadt", dicht oder besser, ein Vorort von Dallas, wenn man bei 470 000 Einwohnern von Vorort reden möchte (Berlin ist ja auch Vorort von Wiesbaden!). Obwohl auf den ersten Blick nicht sichtbar oder schlimmer noch, nicht riechbar, überschleicht einem der Geruch von Rind. Ob es an der Skulptur einiger vorüber ziehender Rinder lag, ist nicht bestimmbar. db_TexDallas-FW-0081
Raus aus dem Bus, rein in das alte "Stockyards", einem Bezirk, in dem sich früher mehr als heute alles um Rinder dreht. Früher wurden hier Rinder gehandelt, heute finden von vielen erwartet die berühmten Rodeos statt.
Interresant war der Besuch einer sog. "Mall". Ein riesiger Komplex gefüllt mit Geschäften aller Art! Und sauber! Zum staunen blieb wenig Zeit.
Eine Auszeit war genehmigt, so dass die umliegenden Geschäfte, Bars und Eisläden ohne Eile besucht werden konnten. Viele waren mit dicken Eisportionen vor dem Gesicht zu sehen, selbst unser Chorleiter, Musikdirektor Burkhard Keiper, seine Frau und Töchterchen waren davon nicht ausgenommen. Wem aber das Eis oder die Hams nicht genug waren, konnte bei einem nicht ohne Folgen bleibendem Besuch einer Schokoladenmanufaktur sich für den Tag den Rest geben. Wie konnte es anders sein, Schokolade kauften nur unsere Frauen, das hätte sich kein Mann getraut! Hin und wieder hat man aber Männer gesehen, die nicht nur mit den Händen die Konsistenz der wohlriechenden Köstlichkeiten prüften!
 
Für den Abend war ein "buntes Beisammensein" mit dem gastgebenden Chor, der "Dallas Frohsinn", geplant und so zogen wir mit mehr oder weniger großem Appetit in ein mexikanisches Restaurant ein, in dem es nicht nur köstlich duftete sondern jeden Magen aufriss! Frisch aus der Pfanne oder frisch von Grill, nur gutes kam auf die Teller.
Nach dem Essen schleiften wir uns zum Bus, zogen uns in diesem um, sangen uns vor Kulisse der untergehender Sonne ein und fuhren quer durch Forth Worth zur Halle, in der die Gastgeber bereits warteten. Kurz gesagt: es wurde ein schöner Abend! Gesang und Unterhaltung pur und das nicht all zu kurz!!
Der nächste Tag sollte der Höhepunkt unseres Aufenthalts in Dallas werden und so war jeder froh, als man ins Bett gehen konnte.

Samstag, 10. Oktober 1998
Heute hatten wir frei und konnten uns unseren Gastgebern widmen. War das schön, einmal dem Bus entflohen zu sein.
Der Tag hatte trotzdem seine Spannung. Am Abend sollten wir im "DoubleTree-Hotel", einem Nobelschuppen im Süden von Dallas am sog. "German Day" auftreten und einige Lieder in deutscher Sprach vortragen. Oh war das eine lustre Gesellschaft!
Dieser Abend war den deutschstämmigen Einwanderern gewidmet und in jedem Jahr wird einer der Orte aus "good old Germany" ausgewählt, aus dem eine größere Anzahl Bürger stammt. In diesem Jahr war es Wiesbaden und so nimmt es nicht Wunder, dass wir ausgerüstet mit den besten Grüssen und Wünschen unseres Wiesbadener OB's unsere Stadt vertraten. Vorweg, - der Abend wurde lang!

Sonntag, 11. Oktober 1998
Schon früh am Morgen wurden die Koffer gepackt und alles für die Abreise von Dallas Richtung Fredericksburg vorbereitet.
Die Verabschiedung verlief voller Herzlichkeit und gespannt auf die nächste Station unserer Tournee, kletterten wir in die bereit stehenden Busse! Auf halber Strecke stoppen wir für eine "Mahlzeit" bei McDonalds in Waco. Na ja, es war 'ne Mahlzeit, aber was dolles war's auch nicht. Hauptsache war wohl, dass der Bus mal verlassen werden konnte und die Beine mal wieder zeigen konnten, für was man sie hatte.
An Austin vorbei ging es dann in die sogenannte Texas-Hills. Wirklich nur Hügel, aber nach der öden Ebene (Texas is flat!) war es für die Augen mal etwas anderes, mal was buckliges zu sehen.
Unser nächster Auftritt sollte in Fredericksburg stattfinden. Dort fand das 107. Sängerfest der "Texanischer Gebirgs Saengerbund" statt und wir hatten die Möglichkeit zu einem guten und reichlichen Essen. Sofort nach der Ankunft wurden wir mit der hiesigen Küche vertraut gemacht und, - einige fanden besonderen Gefallen daran!
Aber ohne Auftritt ging es halt doch nicht! Deutsche Lieder wollten die Texaner hören! - englisch können sie selber, war der einhellige Tenor. Also gab’s was deutsches, was mit Beifall ankam.
Nach unserem Auftritt kam etwas Tolles: viele unserer Sangesfreunde lernten schon hier ihre Gastgeber kennen, die sie in Austin (der übernächste Stopp) in Empfang nehmen würden.
Ebenfalls teilgenommen hatten die Sänger aus San Antonio und so konnten wir gleich unser Gepäck umladen und nach diesem erlebnisreichen Tag den direkten Weg nach San Antonio nehmen. Schon auf der Fahrt dorthin hatte man Gelegenheit seine Gastgeber kennen zu lernen und auf die nächsten Tage vorzubereiten.
Manch einer hatte Glück und seine Gastgeber zeigten ihnen auf der Fahrt nach San Antonio Gedenksteine, auf denen vermerkt war, dass auch viel Deutsche in Texas im Freiheitskrieg gegen Mexico und Santa Ana kämpften und fielen.
Den Augen der Sangesfreunde am nächsten Morgen nach zu urteilen, wurde der Abend noch lang.

Montag, 12. Oktober 1998
Schon früh brachten uns unsere Gastgeber zum Treffpunkt bei der Beethoven-Halle im Herzen San Antonio's. Wie oben beschrieben, waren viele noch mit Augenreiben beschäftigt, als sich der Bus in Bewegung setzte und uns nach Downtown brachte. Eins vorweg: San Antonio ist eine hinreißende Stadt! Bunt, sauber und voller Leben in schon mexikanischem Stil! Die erste Stadt in den USA, die uns Leben in einer Stadt zeigen konnte! db_TexSanAntonio-0411
Erster Stopp: Alamo! Kein Besuch in San Antonio ohne dieses Denkmal, ein Muss! Danach Einkaufstour durchs "River-Mall". Eine Augenweide der "Riverwalk", ein Weg entlang vieler Kanäle, auf den bunt geschmückte Kähne ihre Runden durch einen Teil der Stadt ziehen. An einem dieser Kanäle, wohl dem Weltbekanntestem, nahmen wir in einem mexikanischen Restaurant eine Mahlzeit ein und ließen die Augen auf diesem bunten Treiben ruhen.
Die Neugierde trieb uns aber weiter, machten nach langer Wartezeit eine Kanalfahrt mit und zogen durch etliche Kaufhäuser um zum Schluss in einem der zahlreichen Straßenkaffees hängen zu bleiben (Füße ausruhen!!!!!!!). Wieder zurück am Sammelpunkt wurden wir abgeholt und es konnte ein privater Abend folgen.


Dienstag, 13. Oktober 1998
Wieder ein Tag mit tollen Erlebnissen wartete auf uns!
Einer kleinen Besichtigungstour folgte der Höhepunkt des Aufenthalts in San Antonio: das Oktoberfest im "Beethoven-Garten". Schon früh am Nachmittag betraten wir das weiträumige Gelände des "Beethoven Maennerchor Halle und Garten". Die Vorbereitungen waren schon seit Vormittag in vollem Gange: die Musikanlage wurde installiert, alle Küchengerätschaften positioniert, die Bühne hergerichtet und Mikrophone getestet. Es war ein herrlich koordiniertes Chaos! Aber- nach gewohnt guter deutscher Pünktlichkeit - (der Garten war gerammelt voll!) konnte der Vorsitzende des Vereins die Begrüßung vornehmen. Klar, auch unsererseits wurden Dankesworte gesprochen und Geschenke ausgetauscht.
Wie konnte es anders sein, mit Gesang aller Chöre wurde der Reigen eingeläutet. Erstaunlich, wie gut nach langer "Deutsch-Abstinenz" deutsch gesungen wurde! Dem Gesang folgte das was kommen musste: gutes Essen! Bei guter Stimmung und etlichen unterhaltsamen Darbietungen wurde der Abend lang.
Was wir von hier nicht kennen: vor dem Eingang zum Garten waren Polizisten positioniert und wachten über unsere Sicherheit! Die Anzahl der Cops richtet sich nach der Anzahl Besucher und das ist in USA Pflicht, diese anzufordern! Ob dafür einen Rechnung gestellt wird konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

Mittwoch, 14. Oktober 1998
Am Morgen, nach einer überaus herzlichen Verabschiedung, manche noch mit dickem Kopf, machen wir uns auf den Weg Richtung Corpus Christi.
Zu wem genau und warum wissen die allerwenigsten, aber wir fahren halt mal hin!
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Ein paar Meilen weiter (so 200) folgte noch ein Stop bei einer Raststelle mitten in der Wüste. Rund herum kein Haus, nur Leere! Und diese Raststelle! Ein Graus! Überall Kakerlaken und was für welche! Riesig und alle irgendwie krank, vergiftet, mit Gas. Wie uns ein Bediensteter tröstete, wird ein Gas verströmt, das schwerer als Luft ist und am Boden die Tiere tötet. Meinetwegen - aber gut sieht’s nicht aus! Und trotzdem gab es hier die besten Hamburger weit und breit.
Verwundert, warum in der Küche 1 cm hoch das Wasser stand, wurden wir aufgeklärt, dass sich so keine "Tierchen" in die Küche verirren können! (Ja was nu, ertrinken oder verhungern, welches Los ist das bessere?) Trotzdem, ganz schön schlau, die Tex!

In Corpus Christi angekommen wurden wir sofort im Hotel verteilt. Die nette Dame an der Rezeption erfreute uns gleich mit der Bitte, um Himmelswillen nicht die Zimmertür zu öffnen, wenn man nicht genau wüsste, wer davor steht. Toller Empfang!
Da keiner so genau wusste was hier abgeht (außer der Uhrzeit, wann wir irgendwo hin fahren) nutzten viele die Zeit für private Exkursionen, entweder ans Wasser oder in den Ort. Jedenfalls konnte man am Hafen guten, reichlichen und billigen Fisch essen.
Hier haben wir noch etwas gelernt: wenn die Quallen (Jelly-Fish) oben schwimmen, schlägt das Wetter um! Ein Vorzeichen??

Die Zeit kam, wir stiegen in die Busse und fuhren in ein paar Minuten an den Rand der Stadt, betraten dort einen zum frieren kalten Raum. Keiner von uns war auf eine solche Kälte eingestellt und es konnten auch keine Servietten, die wir uns um den Hals banden, aufwärmen. Nach einer guten Mahlzeit wurden einige Lieder vorgetragen, die auch noch hervorragend von der Vizechorleiterin Jadranka dirigiert wurden, da Herr Keiper an einer Kreislaufschwäche litt. Hoffentlich ist er bald wieder auf den Beinen; Gute Besserung!
Nach dem Vortrag war jeder froh, der Kälte entflohen zu sein und zog sich schnell in sein Zimmer zurück!

Donnerstag, 15. Oktober 1998
Der heutige Morgen ließ Unheil ahnen! Über dem Golf von Mexiko zogen sich schwere Wolken zusammen!
Bisher von uns unbeachtet zog der Wirbelsturm "Mitch" von Süden her Richtung Texas und nun standen wir an vorderster Front und konnten zusehen, wie sich eine dunkle Wand auf uns zu schob.
Da waren wir schon froh, hier ohne richtiges Frühstück verschwinden zu können!
Auf der Fahrt zu unserem nächsten Ziel, Austin, legten wir einen Stop an der gestern beschriebenen Stelle ein, nur auf der Seite nach Norden, um Futter zu fassen. Diesmal schreckte uns nichts, wir waren ja schon abgehärtet!
Am frühen Nachmittag trafen wir in Austin ein, wo wir schon am Palmer Auditorium erwartet wurden. Nach einem fröhlichen Empfang lief die Verteilung der Sangesfreunde in die Quartiere und wir hatten wenig Zeit uns umzuziehen, denn schon wenig später fuhren wir in den Saal zur "Austin Saengerrunde" um einem Konzert, an dem wir uns auch beteiligen konnten, beizuwohnen. Nach der freundlichen und herzlichen Begrüßung ließen die Liedvorträge auch nicht lange auf sich warten und wurden begeistert aufgenommen. Wie alle Abende zuvor wurde auch dieser lang. Ein sorgfältig ausgesuchtes Unterhaltungsprogramm ließ keine Langeweile aufkommen.

Freitag, 16. Oktober 1998
Diesen Tag hatten wir eine Besichtigungstour auf dem Zeitplan.
Zuerst das Lindon B. Johnson- Museum, danach eins zur Austiner Geschichte.
Das Lindon B. Johnson-Museum war ganz neu und beeindruckend. Auf der großen Freitreppe stellten wir uns zu einem Gesangsvortrag auf und das hiesige TV-Studio übertrug die Aufnahme live in alle Haushalte. Das konnte nur gut sein und wir hatten eine prima Reklame für udb_TexAustin98-0121nseren Auftritt am morgigen Samstag im Austiner Kapitol.
Am Abend fuhren wir mit unseren Gastgebern nach Round Rock in den Settlerspark zu einem Country-Abend. Grund war das 150jährige Bestehen des Ortes.
Zum Empfang durften wir uns am Grill anstellen, an dem es Köstlichkeiten heiß auf den Teller gab. Steaks, groß wie bei uns nie zu sehen, Bratwürste, Maiskolben, alles was das Herz begehrt! Das Beste aber: Country-Musik live!
Und das bei wohligen 28 Grad Celsius, im Oktober, in Texas! Was nicht ausbleiben konnte: auch wir sangen Lieder vom Wein und vom Rhein, die mit Begeisterung aufgenommen wurden. Sogar "Zugabe" war zu hören! Es muss jemand wirklich deutsch verstanden haben! Nicht nur das, einer der Musiker war im Militärdient in Erbenheim und kannte sogar die “Erbenheimer Brummer”. Die Welt ist ja so klein .........
Spät am Abend wurden unsere Gastgeber zunehmend unruhiger als Wind aufkam. Jetzt erst erfuhren wir genau, was da von Süden her auf Austin anrückte: Mitch! Auch uns war mulmig und niemand war böse als es hieß - ab nach Hause! Diese Nacht wird kurz! Aber das kennen wir ja schon!

Samstag, 17. Oktober 1998
Wohl in allen Haushalten Austins lief in dieser Nacht das WeatherTV heiß. "Mitch" näherte sich unaufhaltsam der Stadt und man hatte bisher nichts Gutes gehört.
Um 11.oo Uhr war der Besuch mit Auftritt im Kapitol (State Capitol) angesagt! Wir fuhren zur Halle der "Saengerrunde" und lenkten gleich weiter zum Kapitol. Hier "erwischte" uns "Mitch" und katzennass erreichten wir den Eingang. Nach "Trockenlegung" folgte eine Besichtigung der Räumlichkeiten, geführt von einer netten jungen Dame, die sehr gut Deutsch sprach. Jetzt weiß zumindest jeder aktive Sänger was hier abgeht.
Die Zeit verging schnell in diesen ehrwürdigen Hallen und es war an der Zeit, sich im Rondell des Capitols einzufinden um den wenigen, die trotz des erschreckenden Regengusses den Weg zum Kapitol gefunden hatten, einen guten Liedvortrag zu bieten.
Unsere Darbietungen fanden regen Anklang wie am Applaus zu hören war und trotzdem, die Gesichter waren wegen des Wetters besorgt.
Das Wetter hatte sich so sehr verschlechtert, dass es angebracht erschien, so schnell als möglich die eigenen vier Wände aufzusuchen.
Ab 17.oo Uhr trafen alle zum “Austin Sängerrunde Oktoberfest” im Festsaal ein. Geboten wurden Gesangsvorträge und Tanz. So konnte der Abend und auch unser Besuch in Austin fröhlich beendet werden.

Sonntag, 18. Oktober 1998
Die Fahrt nach Houston war schon am Morgen in Frage gestellt. Es wurden Befürchtungen laut, man könne uns in Houston erst garnicht in Empfang nehmen, die Highways wären dicht.
Wegen des Regens in der Region kam es zu fürchterlichen Hochwassern. Über Radio war zu hören, dass “Mitch” unzählige Opfer auf seinem Weg, auch in San Antoinio und Austin, gefordert hatte. In Schulenburg sollte um die Mittagszeit gesungen werden, war aber wegen umbestimmter Wetterverhältnisse ausgefallen. Beiderseits des Highways konnte man den Golf von Mexico vermuten, das Land stand sozusagen “unter”.
In Houston angekommen, konnte Nachmittags doch noch das mit Spannung erwartete Konzert in der St. Mark-Kirche gegeben werden.
Nach den Meinungen vieler aktiven Beteiligten, soll es überhaupt unser bestes Konzert gewesen sein, so auch die Stimme unseres Chorleiters Burkhard Keiper. Die Kirche war gerammelt voll, so dass die Sängerinnen und Sänger teilweise vor der Kirche standen.

Nach dem Konzert folgte die Quartierverteilung. Wir sollten uns dann erst am nächsten Tag wieder treffen.

Montag, 19. Oktober 1998
Für heute war eine Stadtrundfahrt mit Besuch beim Bürgermeister Houstons angesagt.
Wie auch schon in San Antonio wurden auch hier wieder Cops bereit gestellt. Auf die Frage warum das nötig ist, kam lächelnd zur Antwort: “We are your Insurence!”. Aha, sie sind also unsere Versicherung! Für was?? 
Abends hatten wir dann Gelegenheit mit den hiesigen Sangesfreunden ein gemütliches Beisammensein mit dem Houston Sängerbund zu erleben. Unglaublich, mit welcher Energie versucht wurde, deutsch zu sprechen. Jede/r Houstoner Sänger/in sucht aus allen Ecken ein paar Worte Deutsch zusammen und radebrechte auf Teufel komm raus! Deutsch- und English-Stunde in einem - das isses!!!!!! Es wurde ein unvergesslicher Abend, - nicht nur wegen des Gesanges!

Dienstag, 20. Oktober 1998
Fahrt zum NASA Space-Center war angesagt. An der Kasse war die Welt noch in Ordnung!db_Houston98-0092
Drinnen aber, zum Schreien!!! Die Rundfahrt durch das NASA-Gelände ging ja noch, auch wenn Erwin sich nach mehrmaligen Aufruf nicht setzen wollte. Dann aber - das muss man sich vorstellen- sollten wir in 2er-Reihen zwecks Besichtigung und Vorführung durch die Gebäude gehen! In 2er-Reihen, - Deutsche in 2er-Reihen - das musste schief gehen!!!!! 3er-Reihe hätte jeder verstanden, das hätte auch geklappt, aber 2er?? - Niemals! - Jedenfalls, der Guide hatt’s nach einer Weile aufgegeben und wir sind unseren eigenen Trott gegangen.
Der arme Kerl war bestimmt froh, als er uns los wurde!
Weiter ging die Tour zum Schlachtschiff “Texas”, vorher noch ein kurzer Halt bei der Siegessäule am San Jacinto, wo General Houston wohl den Mexikaner eins auf die Mütze gegeben haben soll und Texas so befreite.
Das Schiff selbst, na ja ‘n alter Kahn (war noch bei der Landung in der Normandie dabei), war eine Festung für Moskitos! Vor nichts Respekt, nicht mal vor Insekten-Spray! Man konnte sie vor einem Angriff grinsen sehen, die Biester! Kaum einer kam “ungelöchert” vom Schiff runter. Könnte eine Rache fürs NASA-Center gewesen sein!
Respekt aber der Navy: sie wusste wohl dass Besuch aus Deutschland kommt und hat aus diesem Grund die Granaten, die beiderseits am Laufsteg standen, in den Farben Scharz, Rot, Gold, bemalt. Feiner Zug, das!
Die Rückfahrt war mit einem Hinderniss versehen. Wir mussten einen Riesenumweg in Kauf nehmen, weil ein Schiff einen Brückenpfeiler gerammt hat und die weitere Tragfähigkeit nicht sichergestellt werden konnte. Mehr als 2 Stunden Weg lagen noch vor uns.
Trotzdem haben wir uns den Abend nicht vermiesen lassen und freuten uns auf die Abschiedsfeier mit dem “Houston Liederkranz”. Kurz, es war nur Kurzweil angesagt. Schuhplattler sowie Herrenballett, die Houstoner zeigten uns, was “Deutsch” ist.

Mittwoch, 21. Oktober 1998
Nach einem letztem Umtrunk und Imbiss in der Houstoner Liederhalle bereiteten wir uns auf die Fahrt zum Flughafen Houston vor. Mit grosser Herzlichkeit wurden wir verabschiedet, wir bedankten uns viele viele male für die Gastfreundschaft und bestiegen die Busse.
Am Flughafen fiel es uns doch schwer, uns von unseren Busfahrern zu verabschieden. Zwei Wochen haben sie uns mit grösster Sorgfalt quer durch Texas gefahren und uns an der Streck manche kleine Sehenswürdigkeit gezeigt. Ihnen sei hier der Dank von 100 Fahrgästen ausgesprochen! Unvergesslich!
Der Rückflug erfolgte über Atlanta nach Frankfurt, wobei wir in 11 Km Höhe den Jetstream erwischten, der uns mit Geschwindigkeiten von 1150 Km/h über Grund voran trieb. Äh, der Rückenwind von 250 Km/h muss abgezogen werden, sonst wären wir in der MD-11 Überschall geflogen!

Donnerstag, 22. Oktober 1998
Ankunft um 7.3o Uhr in Frankfurt/Main. Übermüdet schlichen wir am Zoll vorbei, organisierten eine Fahrgelegenheit und dann nix wie ab nach Hause.

An dieser Stelle sei dem Vorstand und allen Helfern für die gute Planung und Durchführung gedankt. Es war eine tolle Reise!


K. Weitze, D. Walkewitz, ESWE-Chor

Auf nach Texas '98
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Sie sind seit Mai 2002 unser

Gast

früher: Chor der Stadtwerke Wiesbaden 1905 e.V.

LilienWiesbaden

Wiesbaden

Mitglied im Deutschen und im Hessischen Sängerbund

 

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